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Waren die Erschütterungen nach dem Brexit-Votum nur der Anfang? Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich - die Zentralbank der Zentralbanken - warnt vor einer Dreier-Kombination aus Rekordverschuldung, niedrigem Wirtschaftswachstum und schwindendem Handlungsspielraum der Notenbanken

Das Brexit-Referendum hat den Börsen weltweit einen heftigen Schlag versetzt. Der Dax verlor in der Spitze am Freitag knapp zehn Prozent. Insgesamt wurde an diesem schwarzen Freitag in Europa ein Börsenwert von mehr als zwei Billionen Dollar vernichtet. Während die Finanzmärkte nun gespannt abwarten, wie sich der Brexit weiter auf die globalen Märkte auswirkt, drohen am Horizont schon die nächsten Krisen. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die Oberorganisation aller Notenbanken, meldet sich in ihrem Jahresbericht mit einer eindringlichen Warnung zu Wort: Der Brexit ist vielleicht sogar unser geringstes Problem.

Die extrem niedrigen oder sogar negativen Zinsen bedrohen laut der BIZ-Analyse die Stabilität der Finanzindustrie, die ohnehin auf sehr wackligen Beinen steht. Einen wesentlichen Grund für die "gegenwärtigen Malaise" erkennt die BIZ in dem Unvermögen, die enorm schädlichen Auf- und Abschwünge des Finanzsystems in den Griff zu bekommen. Das internationale Finanzinstitut, das schon 2007 vor den Gefahren einer Finanzkrise gewarnt hatte, fordert daher endlich ein Umdenken der Politik.

Prognosen sind ja bekanntlich schwierig. Trotzdem bin ich sicher: Ein EU-Austritt Großbritanniens, der sogenannte Brexit, wäre sowohl für die Briten als auch für den Rest der Europäischen Union ein schlechtes Geschäft.

Schauen wir uns die Ausgangslage an: Die Wirtschaft des Vereinigten Königreichs ist traditionell auf Offenheit und internationalen Handel ausgerichtet, die Beziehungen zur EU haben hohes Gewicht. Die Hälfte der Exporte geht in andere EU-Länder – vor dem EU-Beitritt Großbritanniens waren es nur 40 Prozent.

Von besonderer Bedeutung ist der Finanzsektor, sein Anteil an der Wertschöpfung beträgt derzeit rund acht Prozent. Im Bereich der Finanzdienstleistungen erzielte Großbritannien zuletzt einen Außenhandelsüberschuss von 90 Milliarden Pfund, das sind fünf Prozent des britischen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Von diesem Überschuss entfällt ein Drittel auf EU-Staaten.





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